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Agroforstwirtschaft: Vergangenheit und Zukunft des Kakaoanbaus

Ein Baum lebt selten allein

Veröffentlicht von Thierry am 12 März 2022

Agroforstwirtschaft: Was ist das überhaupt und warum ist es die Zukunft des Kakaoanbaus?

 

Bevor wir über die Zukunft sprechen, lassen Sie uns zuerst über die Vergangenheit reden! Ursprünglich ist der Kakaobaum ein Baum des Unterholzes im Amazonas-Regenwald. Mit anderen Worten: Er wächst im Schatten grösserer Bäume und ist Teil eines vollständigen, weitgehend autarken Ökosystems.

Bis in die 1970er-Jahre wurde er auch auf diese Weise angebaut, dann erlagen allerdings fast alle Bauern den Sirenengesängen einiger multinationaler Konzerne, welche neue Kakaosorten für den Anbau in der prallen Sonne anboten, die bis zum Äussersten gezüchtet wurden, um maximale Erträge zu erzielen... und dabei (aber das stand da leider nur ganz klein geschrieben) riesige Mengen an Wasser, Dünger und Pestiziden benötigten!

Die Folgen waren eine immer massivere Entwaldung, eine häufig irreversible Bodendegradation und eine extreme Verarmung der Bauern, eine Situation, die bis heute vor allem in Ghana und an der Elfenbeinküste anhält, von wo fast 70% der weltweiten Kakaoproduktion stammt.

Es dauerte lange, bis man sich dann vor kurzem bewusst wurde, dass die gesamte Kakaobranche gegen eine Wand gefahren war. Man glaubte, dass die Lösung in einer rigorosen Auswahl von Kakaobaumsorten liegen würde, die gegen Dürre und neue Krankheiten resistent sind. Hinzu kam noch die Widerstandsfähigkeit gegen immer höher steigende Temperaturen. Allmählich wurde man sich aber bewusst, dass die einzige, wirklich nachhaltige und effektive Lösung mithilfe von Agroforstwirtschaftstechniken herbeigeführt werden kann, und zwar je nach Situation:

  • durch das Pflanzen grosser, schattenspendender Bäume in bestehenden Kakaoplantagen.
  • durch das Vermeiden von Waldrodung, nur mit dem Ziel Kakaobäume zu pflanzen.
  • durch die Aufforstung gerodeter Flächen und das nur teilweise Roden ausschliesslich der kleinsten Bäume nach einigen Jahren, um sie durch Kakaobäume zu ersetzen.
  • durch Meiden von Monokulturen nur bestehend aus Kakaobäumen im Unterholz.

Agroforstwirtschaft Vergangenheit Zukunft Kakaoanbau

Agroforstwirtschaft ermöglicht also eine Reihe von Praktiken, bei denen schützende und bioregulierende Bäume mit Nutzpflanzen kombiniert werden, um (wieder) selbsttragende Ökosysteme zu schaffen. Der Grund, warum heute versucht wird, die Agroforstwirtschaft erneut einzuführen, liegt darin, dass sie eindeutig DIE Lösung ist, um die Zukunft der lokalen Bauernbevölkerung und der gesamten nachhaltigen Schokoladenbranche abzusichern, sowie nicht zuletzt um das Klimas unserer Erde zu schützen.

Um auch Sie davon zu überzeugen, sind die Vorteile dieser Anbaumethode hier kurz zusammengefasst:

  • Bewässerung: Wird nicht benötigt. Es handelt sich um eine selbstversorgende Kultur, für die nur Regenwasser benötigt wird.
  • Abhängigkeit von Pestiziden: Sehr viel geringer als bei Monokulturen. Bioschädlinge werden durch die gemischte Flora auf natürliche Weise reguliert.
  • Abhängigkeit von Düngemitteln: Sehr viel geringer als bei Monokulturen, da der natürliche, biologische Kreislauf gefördert wird, das Wasser versickert und organische Stoffe eingearbeitet werden.
  • Abhängigkeit von den Schwankungen des Weltkakaopreises: Weitgehend abgeschwächt, da der Anbau verschiedener Obstbaumsorten auf einer Parzelle im Unterholz den Bauern eine Einkommensdiversifizierung ermöglicht. Kakaobäume können bei dieser Form des Anbaus sogar einige Jahre lang brachliegen und dann reaktiviert werden, wenn der Kakaopreis wieder steigt.
  • Kohlenstoffspeicherung: 18-mal höher als bei Monokulturen und damit ein echter Gewinn für das Klima.
  • Erträge: Identisch mit denen von Monokulturen (ca. 900 kg pro Hektar).
  • Lebensdauer der Kakaobäume: 50 Jahre, weitaus länger als bei Intensivkulturen.

Der Agroforst-Kakaoanbau ist also wirklich als Synonym für die Zukunft zu betrachten. Die Herausforderung besteht darin, Millionen von Kleinbauern auf der ganzen Welt in dieser Technik auszubilden und die Voraussetzungen für ihre Einführung zu schaffen.

Indem wir ausschliesslich mit lokalen Schokoladenherstellern zusammenarbeiten, die sich um die wirtschaftliche, soziale und ökologische Zukunft ihrer Region sorgen, setzen wir alles daran, diesen Übergang zu begleiten und der gesamten Branche der nachhaltigen Schokoladenherstellung eine Zukunft zu sichern.

Um sich ausführlicher zu informieren:

FIBL – Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL veröffentlicht regelmässig Artikel mit Beispielen von erfolgreich implementierter Agroforstwirtschaft Kakaokulturen.

CACAOFOREST – Eine Organisation, die sich aus verschiedenen Forschungsinstituten und Schokoladenherstellern zusammensetzt und deren gemeinsames Ziel es ist, die Zukunft des nachhaltigen Kakaos zu gestalten (Englisch).

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