{"id":8357,"date":"2025-03-21T11:22:02","date_gmt":"2025-03-21T10:22:02","guid":{"rendered":"https:\/\/criolloquetzal.ch\/?p=8357"},"modified":"2025-04-21T11:25:24","modified_gmt":"2025-04-21T09:25:24","slug":"temperieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/criolloquetzal.ch\/de\/schokoladen-blog\/temperieren\/","title":{"rendered":"Alles \u00fcber das Temperieren von Schokolade"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr mich als Chocolatier ist das Temperieren oder Vorkristallisieren von Schokolade einer der faszinierendsten und massgeblichsten Schritte im Prozess. Temperieren ist nicht nur eine Technik, sondern ein Ritual, das die Magie von Schokolade in all ihren Facetten offenbart.<\/p>\n<p>Wenn eine Schokolade gut temperiert wurde, gl\u00e4nzt sie, bricht sauber und zergeht mit einer unwiderstehlichen S\u00fcsse auf der Zunge. Heute nehme ich Sie mit in diese Welt, wo zur Chemie auch Herzblut kommen muss, damit Schokoladenwunder geschehen.<\/p>\n<h3>Was versteht man unter Temperieren?<\/h3>\n<p>Das Temperieren von Schokolade dient dazu, die Kristallisation der im Kakao enthaltenen Kakaobutter zu steuern. Kakaobutter kann in sechs verschiedenen Formen auskristallisieren. Angestrebt wird die V-Form, die die Schokolade gl\u00e4nzend, fest und knackig macht. Die sogenannten stabilen Kristalle sind temperaturbest\u00e4ndiger als die instabilen Kristallformen, die sich bei erneutem Erhitzen auf \u00fcber 28\u00a0\u00b0C aufl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Ohne Temperierung wirkt Schokolade stumpf und kann gar weisse Spuren aufweisen, w\u00e4hrend die Textur weich oder br\u00f6ckelig ist. Das Temperieren von Schokolade f\u00fchrt also zum ber\u00fchmten Knacken beim Hineinbeissen\u00a0\u2013 und sorgt f\u00fcr gute Stabilit\u00e4t und lange Haltbarkeit.<\/p>\n<h3>Die verschiedenen Methoden des Temperierens<\/h3>\n<p>Jede Methode zielt letztlich darauf ab, ein bis zwei Prozent stabile Kristalle f\u00fcr den weiteren Herstellungsprozess\u00a0\u2013 Formen oder \u00dcberziehen\u00a0\u2013 zu erhalten, und immer braucht es eine Mischung aus Zeit und Bewegung, damit die Temperatur ihr Werk vollbringt.<\/p>\n<p>Zwar sind Temperiermaschinen in der handwerklichen und industriellen Schokoladenproduktion weit verbreitet, aber manuelle Methoden ergeben denselben Effekt.<\/p>\n<h3>Tabliermethode oder Temperierung auf Marmor<\/h3>\n<p>Diese handwerkliche Methode, die immer weniger Chocolatiers perfekt beherrschen, erfordert Platz, Zeit und intensive Handarbeit. Die Hauptschritte sind:<\/p>\n<h4>1. Schmelzen der zuvor hergestellten Schokolade<\/h4>\n<p>Man schmilzt zun\u00e4chst die Schokolade je nach Typ bei einer bestimmten Temperatur. In der Regel passiert dies im Wasserbad, wobei man darauf achten muss, die Schokolade nicht durch eine zu hohe Temperatur zu verbrennen.<\/p>\n<ul>\n<li>Dunkle Schokolade: wird auf 50 bis 55\u00a0\u00b0C erhitzt<\/li>\n<li>Milchschokolade: wird auf 45 bis 50\u00a0\u00b0C erhitzt<\/li>\n<li>Weisse Schokolade: wird auf 40 bis 45\u00a0\u00b0C erhitzt<\/li>\n<\/ul>\n<h4>2. Abk\u00fchlen auf Marmor, um V-f\u00f6rmige Kristalle zu erhalten<\/h4>\n<p>Man giesst dann einen Teil der geschmolzenen Schokolade, meistens zwei Drittel, auf eine Oberfl\u00e4che. Das kann eine Marmor- oder Granitplatte oder auch ein geeigneter Tisch sein. Mit einem Spachtel und einer Winkelpalette bewegt man die Schokolade kontinuierlich, damit sie gleichm\u00e4ssig abk\u00fchlt.<\/p>\n<ul>\n<li>Dunkle Schokolade: wird auf ca. 28-29\u00a0\u00b0C abgek\u00fchlt<\/li>\n<li>Milchschokolade: wird auf ca. 27-28\u00a0\u00b0C abgek\u00fchlt<\/li>\n<li>Weisse Schokolade: wird auf ca. 26-27\u00a0\u00b0C abgek\u00fchlt<\/li>\n<\/ul>\n<h4>3. Erh\u00f6hen der Temperatur und Einschmelzen unerw\u00fcnschter Kristallformen<\/h4>\n<p>Man r\u00fchrt nun die abgek\u00fchlte Schokolade in den Teil der Schokolade ein, der im Wasserbad verblieben ist. Auf diese Weise wird sie auf die perfekte Verarbeitungstemperatur gebracht:<\/p>\n<ul>\n<li>Dunkle Schokolade: 31-32\u00a0\u00b0C<\/li>\n<li>Milchschokolade: 29-30\u00a0\u00b0C<\/li>\n<li>Weisse Schokolade: 28-29\u00a0\u00b0C<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Impfmethode<\/h3>\n<p>Diese Methode verwende ich am h\u00e4ufigsten, weil sie sehr einfach ist. Dabei schmilzt man zwei Drittel Schokolade, die man temperieren m\u00f6chte, und f\u00fcgt ein Drittel St\u00fcckchen oder Kuvert\u00fcre einer perfekt vorkristallisierten Schokolade hinzu. Die feste Schokolade senkt die Temperatur und liefert die ber\u00fchmten stabilen Kristalle. Die oben genannten Temperaturen gelten auch hier, aber der Schritt der Erzeugung von Kristallen entf\u00e4llt, da diese mit den Schokoladenst\u00fcckchen hinzugef\u00fcgt werden.<\/p>\n<p>Wichtig ist bei dieser Methode die Kristallstruktur der hinzugef\u00fcgten Schokolade:<\/p>\n<ul>\n<li>Wurde die Schokolade perfekt temperiert, enth\u00e4lt sie stabile Kristalle, die sich in der Masse verteilen.<\/li>\n<li>Anderenfalls muss man die schlecht temperierte Schokolade vor der Verwendung mindestens drei Monate ruhen lassen, damit dadurch die instabilen in stabile Kristalle umgewandelt werden.<\/li>\n<li>Bei einer noch einfacheren Methode kann das Impfen auch durch die Zugabe von Kakaobutter mit vielen stabilen Kristallen (zum Beispiel <em>Mycryo<\/em> oder <em>Magic Temper<\/em>) erfolgen. Hier schmilzt man einfach die Schokolade, l\u00e4sst sie bis knapp \u00fcber die Verarbeitungstemperatur abk\u00fchlen und f\u00fcgt 1,5\u00a0Prozent vom Gewicht der verwendeten Schokolade als feste Kakaobutter hinzu. Gut verr\u00fchren\u00a0\u2013 fertig!<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Temperieren in der Mikrowelle<\/h3>\n<p>Diese Methode ist weniger traditionell, aber bei kleinen Mengen praktisch. Man erhitzt die Schokolade einfach in kurzen Intervallen von 10 bis 15\u00a0Sekunden und r\u00fchrt sie jeweils gut durch, bis sie die Verarbeitungstemperatur (siehe 3.) erreicht hat. Die Temperatur darf nicht \u00fcberschritten werden, da sich die stabilen Kristalle sonst aufl\u00f6sen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr mich als Chocolatier ist das Temperieren oder Vorkristallisieren von Schokolade einer der faszinierendsten und massgeblichsten Schritte im Prozess. 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