{"id":9638,"date":"2025-09-27T11:00:38","date_gmt":"2025-09-27T09:00:38","guid":{"rendered":"https:\/\/criolloquetzal.ch\/?p=9638"},"modified":"2026-05-10T18:07:05","modified_gmt":"2026-05-10T16:07:05","slug":"eine-vielzahl-von-labels-fuer-faire-und-nachhaltige-schokolade","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/criolloquetzal.ch\/de\/schokoladen-blog\/eine-vielzahl-von-labels-fuer-faire-und-nachhaltige-schokolade\/","title":{"rendered":"Eine Vielzahl von Labels f\u00fcr \u201efaire und nachhaltige\u201c Schokolade"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"207\" class=\"alignnone size-large wp-image-9588\" style=\"width: 100%; height: auto;\" src=\"https:\/\/criolloquetzal.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/la-liste-label-1024x207.jpg\" alt=\"Schokoladen-Labels\" srcset=\"https:\/\/criolloquetzal.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/la-liste-label-1024x207.jpg 1024w, https:\/\/criolloquetzal.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/la-liste-label-300x61.jpg 300w, https:\/\/criolloquetzal.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/la-liste-label-768x155.jpg 768w, https:\/\/criolloquetzal.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/la-liste-label-1536x310.jpg 1536w, https:\/\/criolloquetzal.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/la-liste-label-2048x413.jpg 2048w, https:\/\/criolloquetzal.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/la-liste-label-600x121.jpg 600w, https:\/\/criolloquetzal.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/la-liste-label-64x13.jpg 64w, https:\/\/criolloquetzal.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/la-liste-label.jpg 2300w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>G\u00fctesiegel, QR-Codes, Fr\u00f6sche, Blumen, goldene Kakaoschoten: Wer heute eine Tafel Schokolade umdreht, entdeckt ein ganzes kleines Universum, das der Nachhaltigkeit gewidmet ist. Noch nie gab es so viele Labels und Logos \u2013 und gleichzeitig noch nie so viele ungel\u00f6ste Probleme im Kakaosektor: Kinderarbeit, Armut, Entwaldung. Wie passt das zusammen? Und was bedeuten diese Labels wirklich \u2013 f\u00fcr die Erzeuger, f\u00fcr die Unternehmen und f\u00fcr uns als Konsumenten?<\/p>\n<p>\u201eK\u00f6nnten Sie uns ein paar Worte zur Zuverl\u00e4ssigkeit der Labels sagen?\u201c Diese Frage taucht fast immer auf \u2013 zuletzt auf der Bean-to-Bar-Messe in Chemnitz. Meine spontane Antwort: \u201eEs ist besser als nichts.\u201c Und doch erscheint sie mir zu vereinfacht. Denn die ehrliche Antwort ist komplizierter \u2013 und beunruhigender. Die Labels haben etwas bewegt. Aber sie l\u00f6sen nicht das, was im Kakaosektor wirklich schiefl\u00e4uft. Genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen.<\/p>\n<h3><strong>Zwischen Orientierung und \u00dcberangebot <\/strong><\/h3>\n<p>Um ehrlich zu sein, erinnern die Nachhaltigkeitsinformationen auf Schokoladenverpackungen manchmal an den Times Square bei Nacht: Alles blinkt, alles will Aufmerksamkeit erregen \u2013 und am Ende bleibt nur Verwirrung. Jedes Label hat seine eigene Logik, seine eigenen Kriterien und seine eigenen Versprechen. Selbst Fachleute aus der Branche verlieren schnell den \u00dcberblick.<\/p>\n<h3><strong>Was verbirgt sich wirklich hinter den g\u00e4ngigsten Labels?<\/strong><\/h3>\n<p>Insgesamt garantieren die bekannten Nachhaltigkeitslabels, dass der Kakao nach etwas besseren Umwelt- und Sozialstandards produziert wird und dass die Kakaobauernfamilien punktuelle Unterst\u00fctzung erhalten \u2013 ohne jedoch die strukturellen Probleme wie Armut oder existenzsichernde Einkommen grundlegend zu l\u00f6sen. Das Rainforest-Alliance-Label \u2013 der gr\u00fcne Frosch \u2013 legt den Schwerpunkt eher auf einen umweltschonenden Anbau, w\u00e4hrend Fairtrade Max Havelaar verst\u00e4rkt auf stabilere Kakaopreise, Sozialstandards und ein existenzsicherndes Einkommen abzielt.<\/p>\n<p>Falls Sie sich fragen, was aus Utz geworden ist \u2013 das viele Jahre lang von der Migros verwendet wurde \u2013: Utz und Rainforest Alliance sind vor einigen Jahren fusioniert. Heute gibt es nur noch den Frosch.<\/p>\n<p>Beim Fairtrade-Label gibt es \u00fcbrigens eine Unterscheidung, die kaum jemand kennt: Das dunkle Fairtrade-Siegel bedeutet, dass alle Zutaten, f\u00fcr die es ein Fairtrade-Label gibt \u2013 also Zucker, Vanille, Orangen \u2013, zertifiziert sein m\u00fcssen. Das helle Siegel hingegen weist darauf hin, dass nur der Kakao Fairtrade-zertifiziert ist.<\/p>\n<h3><strong>Mass Balance: Das unsichtbare System dahinter<\/strong><\/h3>\n<p>Das sogenannte \u201eMass Balance\u201c-System ist ein zentraler, aber wenig verstandener Mechanismus vieler Labels. Das Prinzip: Sie bezahlen f\u00fcr zertifizierten Kakao, aber dieser landet oft nicht physisch in Ihrer Schokolade. Tats\u00e4chlich werden die Kakaobohnen entlang der Lieferkette mit Bohnen aus verschiedenen Regionen und L\u00e4ndern vermischt. Die gezahlte Zusatzpr\u00e4mie kommt zwar den Kakaokooperativen zugute, die physische R\u00fcckverfolgbarkeit der Kakaobohnen bleibt jedoch abstrakt.<\/p>\n<p><u>Vorteile<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Mehr Bauernfamilien k\u00f6nnen teilnehmen<\/li>\n<li>Skalierbarkeit<\/li>\n<li>G\u00fcnstigere Produkte<\/li>\n<\/ul>\n<p><u>Nachteile<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Entkopplung von Produkt und Herkunft<\/li>\n<li>Weniger Transparenz<\/li>\n<li>Vertrauensverlust bei den Konsumenten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei Bio sieht es etwas anders aus: Hier m\u00fcssen die Warenstr\u00f6me getrennt bleiben, was bedeutet, dass das Produkt dort, wo Bio draufsteht, im Idealfall auch Bio sein sollte. Bio ist daher oft teurer \u2013 f\u00fcr die Konsumenten, aber auch f\u00fcr die Produzenten, welche die hohen Zertifizierungskosten tragen m\u00fcssen.<\/p>\n<h3><strong>Sind Labels von gestern? Ein differenzierter Blick <\/strong><\/h3>\n<p>Ich muss es gestehen: F\u00fcr mich sind Labels auf Schokoladenverpackungen ein wenig \u00fcberholt \u2013 zumindest in der Schweiz. Aber ist das wirklich so, und gilt das f\u00fcr alle? Und wenn ja, warum nach all diesen Bem\u00fchungen und der erfolgreichen Umsetzung? Hier ist meine Analyse in f\u00fcnf Punkten:<\/p>\n<p>1. <u>Sensibilisierung: Ohne die Labels w\u00e4ren wir nicht hier<\/u><\/p>\n<p>Fairtrade &amp; Co. hatten eine enorme Wirkung. Sie haben Konsumenten und Unternehmen wachger\u00fcttelt und ein grundlegendes Bewusstsein geschaffen: Hinter Schokolade stehen Menschen, Preise sind mit Menschenrechten verkn\u00fcpft und Lieferketten k\u00f6nnen gestaltet werden. Ohne diese Vorarbeit w\u00e4ren viele der heutigen Debatten \u00fcber existenzsichernde Einkommen oder Kinderarbeit kaum vorstellbar.<\/p>\n<p>2. <u>Breite Masse: Erfolg \u2013 mit Nebenwirkungen<\/u><\/p>\n<p>Die Labels haben ihr Ziel erreicht: Sie haben die breite Masse erobert \u2013 einschlie\u00dflich der gro\u00dfen Unternehmen. Dies hat ihre Reichweite vergr\u00f6\u00dfert, aber auch ihre Wirkung verw\u00e4ssert. Nachhaltigkeit ist skalierbar geworden \u2013 aber gleichzeitig standardisiert und oft entkoppelt von den tats\u00e4chlichen Ver\u00e4nderungen vor Ort.<\/p>\n<p>3. <u>Umbruch: Pioniere gehen andere Wege<\/u><\/p>\n<p>Viele Pioniere des fairen Handels, wie Claro oder Gebana, haben sich von den Labels abgewandt. Auch die <a href=\"https:\/\/criolloquetzal.ch\/de\/boutique\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">neue Generation<\/a> kleiner Produzenten verzichtet oft darauf. Die Gr\u00fcnde: hohe Kosten, begrenzter Nutzen und die N\u00e4he zu den Gro\u00dfkonzernen. Sie setzen stattdessen auf Direkthandel \u2013 mit mehr Beziehung und oft mehr Wirkung.<\/p>\n<p>4. <u>Der Preis des Systems: Verantwortung wird ausgelagert<\/u><\/p>\n<p>Die Standards der Labels werden von gro\u00dfen Unternehmen genutzt, aber die Verantwortung wird oft nach unten delegiert: an die Kooperativen, die Produzenten und die Staaten. Sie sind es, die die Kosten und Risiken tragen. W\u00e4hrenddessen werben die Marken mit \u201enachhaltiger Schokolade\u201c. Das grundlegende Problem bleibt: Labels ersetzen weder faire Einkaufspraktiken noch Preise, die ein existenzsicherndes Einkommen garantieren.<\/p>\n<p>5. <u>Ein Werkzeug, aber keine strukturelle L\u00f6sung<\/u><\/p>\n<p>Labels stellen einen wichtigen Werkzeugkasten f\u00fcr Unternehmen dar: Sie setzen Standards, bieten Orientierungspunkte und erm\u00f6glichen es, Fortschritte und L\u00fccken aufzuzeigen. Organisationen wie Fairtrade oder Rainforest Alliance sind unverzichtbar f\u00fcr die internationale politische Arbeit und die Unterst\u00fctzung von Unternehmen. Der freiwillige Charakter der Standards begrenzt jedoch ihren Handlungsspielraum oder beschr\u00e4nkt ihn auf das Marketing. Sie k\u00f6nnen keine strukturellen Probleme l\u00f6sen \u2013 weder Armut noch Kinderarbeit oder Entwaldung.<\/p>\n<p><em>Ihr Wert h\u00e4ngt ganz davon ab, wie ernsthaft die Unternehmen sie umsetzen.<\/em><\/p>\n<p>Was daraus folgt \u2013 und was sich \u00e4ndern muss \u2013, darauf kommen wir sp\u00e4ter zur\u00fcck.<\/p>\n<details>\n<summary><strong>Was sagt die Forschung?<\/strong><\/summary>\n<p>Eine Anfang 2026 ver\u00f6ffentlichte Studie (<a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/400279451_A_systematic_review_of_the_impacts_of_voluntary_sustainability_standards_on_the_cocoa_global_value_chain\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><u>Romano et a<\/u><u>l<\/u><u>., Discover <\/u><u>Sustainability<\/u><\/a>) hat die Auswirkungen der gro\u00dfen Nachhaltigkeitslabels auf die Lebensbedingungen der Kakaobauern und -b\u00e4uerinnen untersucht. Fazit:<\/p>\n<p>Rainforest Alliance: Leichte Zuw\u00e4chse bei Kakaoertr\u00e4gen, Einkommen und landwirtschaftlichen Praktiken \u2013 aber wenig Klarheit in Bezug auf Entwaldung, Biodiversit\u00e4t, Kinderarbeit und Ern\u00e4hrungssicherheit.<\/p>\n<p>Fairtrade: Bessere Ergebnisse bei Einkommen, Bildungsausgaben und der St\u00e4rke der Kooperativen \u2013 aber begrenzte Fortschritte bei Ern\u00e4hrungssicherheit, Kinderarbeit und Geschlechtergleichstellung.<\/p>\n<p>Bio: Deutliche Umweltvorteile (weniger Chemikalien, ges\u00fcndere B\u00f6den, mehr Biodiversit\u00e4t) \u2013 aber oft geringere Ertr\u00e4ge und weniger Rentabilit\u00e4t. Die Pr\u00e4mien gleichen dies selten aus.<\/p>\n<p>Fazit der Studie: Mainstream-Labels erm\u00f6glichen schrittweise wirtschaftliche Verbesserungen. Das Bio-Siegel schneidet \u00f6kologisch am besten ab, bleibt aber wirtschaftlich anspruchsvoll. Kein Label schlie\u00dft die Einkommensl\u00fccken vollst\u00e4ndig.<\/p>\n<\/details>\n<h3><strong>Wenn Unternehmen ihre eigenen Logos kreieren<\/strong><\/h3>\n<p>Neben den bekannten Labels erscheinen auf vielen Verpackungen weitere Logos \u2013 weniger leicht zu identifizieren, aber allgegenw\u00e4rtig und ebenfalls rein freiwillig:<\/p>\n<ul>\n<li>Lindt Farming Program: goldene Kakaoschote, dunkelroter Kreis<\/li>\n<li>Nestl\u00e9 Cocoa Plan: braunes Logo mit einer Kakaoschote, rotes Nestl\u00e9-Logo<\/li>\n<li>Cocoa Life (Mondelez, f\u00fcr Toblerone, Milka, Suchard, Daim etc.): gr\u00fcner Kreis mit einer Blume<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Logos stehen f\u00fcr die unternehmenseigenen Nachhaltigkeitsprogramme. Die Unternehmen setzen diese selbst um \u2013 mit \u201eihren\u201c Produzenten in \u201eihrer\u201c Lieferkette. Die Ziele sind bekannt: h\u00f6here Ertr\u00e4ge, weniger Sch\u00e4dlinge, Zugang zu Bildung, Bek\u00e4mpfung von Kinderarbeit und Sicherung des Zugangs zu Kakao.<\/p>\n<p>Das Problem: Im Gegensatz zu unabh\u00e4ngigen Labels fehlen einheitliche Standards, Vergleichbarkeit und strenge Kontrollen. Transparente Berichte sind selten, Sanktionen praktisch nicht vorhanden. Und vor allem: Die Programme arbeiten kaum mit verbindlichen und existenzsichernden Kakaopreisen.<\/p>\n<p>Genau das zeigt sich heute. Insbesondere in der Elfenbeink\u00fcste und in Ghana \u2013 den beiden gr\u00f6\u00dften Kakaoproduzentenl\u00e4ndern \u2013 sind die Vorboten eines Sturms un\u00fcbersehbar. Die Lebensbedingungen der Kakaobauern waren seit langem nicht mehr so schlecht. Ein wesentlicher Grund: der drastische Preisverfall. Keines der gro\u00dfen Programme \u2013 weder Cocoa Life noch das Lindt Farming Program oder der Nestl\u00e9 Cocoa Plan \u2013 konnte die Wucht dieses Einbruchs abfedern. Weil keines von ihnen strukturell darauf ausgerichtet war, diesem Absturz zu begegnen.<\/p>\n<h3><strong>Eine erste Bilanz<\/strong><\/h3>\n<p>Das Problem liegt nicht prim\u00e4r in den Prinzipien des fairen Handels, sondern in den Machtverh\u00e4ltnissen auf dem Markt. H\u00f6here Preise sto\u00dfen regelm\u00e4\u00dfig auf den Widerstand der Gro\u00dfkonzerne, selbst wenn Erzeugerl\u00e4nder wie Ghana oder die Elfenbeink\u00fcste diese durchsetzen wollen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig erwarten wir als Konsumenten billige und standardisierte Schokolade. Um dies zu erreichen, mischen Unternehmen Kakao aus verschiedenen Quellen und bauen eigene Nachhaltigkeitsprogramme auf, um diese Flexibilit\u00e4t zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>So hat sich ein milliardenschweres System um die unternehmenseigenen Labels entwickelt. W\u00e4hrenddessen h\u00e4lt das unabh\u00e4ngige Fairtrade-System an gemeinsamen Mindeststandards fest \u2013 und ger\u00e4t genau deshalb unter Druck vonseiten derer, die am meisten \u00e4ndern m\u00fcssten.<\/p>\n<h3><strong>Was es jetzt braucht<\/strong><\/h3>\n<p>Jenseits all dieser Labels, Programme und Versprechen bleibt eine beunruhigende Frage: Was braucht es wirklich? Meiner Meinung nach lauten die Antworten wie folgt:<\/p>\n<p>1. <u>Ein existenzsicherndes Einkommen \u2013 der zentrale Hebel<\/u><\/p>\n<p>Schokoladenkonzerne, H\u00e4ndler und Einzelh\u00e4ndler m\u00fcssen den Kakaobauernfamilien einen Preis zahlen, der ein existenzsicherndes Einkommen garantiert \u2013 unabh\u00e4ngig von den aktuellen Marktpreisen.<br \/>\nDies beinhaltet:<\/p>\n<ul>\n<li>Preise, die tats\u00e4chlich zum Leben reichen<\/li>\n<li>Einkaufspraktiken, die diese Preise garantieren<\/li>\n<li>Die Bereitschaft, die zus\u00e4tzlichen Kosten entlang der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette zu tragen<\/li>\n<\/ul>\n<details>\n<summary><strong>Was ist ein existenzsicherndes Einkommen (Living <\/strong><strong>Income<\/strong><strong>)?<\/strong><\/summary>\n<p>Ein existenzsicherndes Einkommen ist das Einkommen, das eine Familie ben\u00f6tigt, um ein w\u00fcrdevolles Leben zu f\u00fchren, d. h. es reicht aus f\u00fcr Nahrung, Zugang zu sauberem Wasser, Wohnraum, Bildung, Gesundheitsversorgung und eine Reserve f\u00fcr Notf\u00e4lle. Es ist auf regionaler Ebene messbar und berechenbar \u2013 und es liegt in der Verantwortung der Unternehmen, ihre Einkaufspraktiken so zu gestalten, dass dieses Einkommen erm\u00f6glicht wird.<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6ren:<\/p>\n<ul>\n<li>Preise, die tats\u00e4chlich zum Leben reichen<\/li>\n<li>Einkaufspraktiken, die diese Preise garantieren<\/li>\n<li>Die Bereitschaft, die zus\u00e4tzlichen Kosten entlang der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette zu tragen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Im Kakaosektor bedeutet das:<\/p>\n<p>Die Bauern und B\u00e4uerinnen m\u00fcssen von ihrer Arbeit leben k\u00f6nnen \u2013 ohne auf Kinderarbeit zur\u00fcckgreifen oder ihre Lebensgrundlagen zerst\u00f6ren zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wichtig: Ein existenzsicherndes Einkommen ist kein Bonus. Es ist ein Menschenrecht.<\/p>\n<\/details>\n<p>2. <u>Verbindliche Gesetze \u2013 und deren Umsetzung<\/u><\/p>\n<p>Ohne klare Regeln bleibt Nachhaltigkeit ein freiwilliges Unterfangen. Und Freiwilligkeit reicht nicht aus. Die EU gibt den Weg vor: klare gesetzliche Anforderungen an Menschenrechte, Umwelt und Transparenz entlang der gesamten Lieferkette \u2013 verbunden mit einer Umsetzungspflicht. Die Schweiz darf hier nicht abseits stehen.<\/p>\n<p>Auch hier braucht es:<\/p>\n<ul>\n<li>Verbindliche Gesetze, die die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards entlang der gesamten Lieferkette garantieren<\/li>\n<li>Keine Schlupfl\u00f6cher, die es Unternehmen erm\u00f6glichen, sich aus der Verantwortung zu ziehen<\/li>\n<li>Eine strenge Kontrolle und Durchsetzung \u2013 und nicht nur Berichterstattung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>3. <u>Transparenz statt Greenwashing<\/u><\/p>\n<p>Es braucht Transparenz dar\u00fcber, wie Unternehmen tats\u00e4chlich einkaufen: zu welchen Preisen, unter welchen Vertragsbedingungen, mit welchen Risiken f\u00fcr die Produzenten und Produzentinnen.<\/p>\n<p>4. <u>Sich von der neuen Generation der Chocolatiers inspirieren lassen<\/u><\/p>\n<p>Eine wachsende Zahl kleiner Produzenten zeigt, dass es einen anderen Weg gibt:<\/p>\n<p>Direkthandel, stabile und hohe Preise f\u00fcr gute Qualit\u00e4t, sichtbare Beziehungen zu den Menschen hinter dem Kakao \u2013 und ein Produkt, das diesen Wert widerspiegelt. Oft n\u00e4her an echter Nachhaltigkeit als die gro\u00dfen anonymen Systeme.<\/p>\n<p>5. <u>Labels als echter Hebel \u2013 und nicht nur als Checkliste<\/u><\/p>\n<p>Labels k\u00f6nnen helfen, gesetzliche Anforderungen umzusetzen. Aber nur, wenn sie ernst genommen werden. Wer sie nur als Checkliste nutzt, ohne echte Zusammenarbeit mit den Produzenten, erzielt keine Ergebnisse: keine Verringerung der Kinderarbeit, keine Armutsbek\u00e4mpfung, kein Schutz von W\u00e4ldern und Wasserressourcen. Die Wirkung kommt nicht vom Label, sondern von allem, was hinter den Kulissen geschieht.<\/p>\n<p><strong><em>Kein Label <\/em><em>wird allein DIE L\u00f6sung sein. Diese <\/em><em>wird<\/em> <em>entstehen<\/em> <em>haupts\u00e4chlich daraus, <\/em><em>was Unternehmen und Konsumenten bereit sind zu zahlen <\/em><em>f\u00fcr <\/em><em>dieses au\u00dfergew\u00f6hnliche Produkt, das Schokolade ist<\/em> <em>!<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00fctesiegel, QR-Codes, Fr\u00f6sche, Blumen, goldene Kakaoschoten: Wer heute eine Tafel Schokolade umdreht, entdeckt ein ganzes kleines Universum, das der Nachhaltigkeit gewidmet ist. Noch nie gab es so viele Labels und Logos \u2013 und gleichzeitig noch nie so viele ungel\u00f6ste Probleme im Kakaosektor: Kinderarbeit, Armut, Entwaldung. Wie passt das zusammen? 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